Pferdeklinik am Kirchberg GmbH


Augen

Anatomie

Auge
  1. Lederhaut (Sklera)
  2. Aderhaut (Chorioidea)
  3. Schlemmsche-Kanal (Abflusskanal für Kammerwasser)
  4. Irisfortsätze
  5. Hornhaut (Cornea)
  6. Iris (Regenbogenhaut)
  7. Pupille
  8. vordere Augenkammer (Camera anterior bulbi)
  9. hintere Augenkammer (Camera posterior bulbi)
  10. Ziliarkörper (Corpus ciliare, Strahlenkörper)
  11. Linse (Lens crystallina)
  12. Glaskörper (Corpus vitreum)
  13. Netzhaut (Tunica interna)
  14. Sehnerv (Nervus opticus)
  15. Zonulafasern (Fibrae zonulares)

Erkrankungen des Auges und Augenlider

Equine rezidivierende Uveitis
(Periodische Augenentzündung/Mondblindheit)

Die wiederkehrende (rezidivierende) Uveitis beim Pferd wird in über 95 % durch eine Leptospireninfektion im Auge ausgelöst. Die Leptospiren sind Bakterien, die in erster Linie von Mäusen und Ratten übertragen werden, die sie mit dem Harn ausscheiden.

Auf der Koppel oder im Stall können sich die Pferde mit diesen Bakterien infizieren, die über Schleimhäute und kleinere Verletzungen in den Blutkreislauf gelangen können.

Leptospiren können insbesondere in feuchtem Boden oder stehenden Gewässern lange überleben. Nahezu jedes Pferd kommt irgendwann mit Leptospiren in Kontakt. Wenige haben das Pech, dass die Erreger nicht nur in den Blutkreislauf, sondern auch in ein oder beide Augen gelangen.

Da Leptospiren keine sehr aggressiven Keime sind, können sie Monate bis Jahre im Auge überleben, bevor sie zu den Augenentzündungen führen.

Durch die Entzündungen im Auge werden die Strukturen des inneren Auges nach und nach zunehmend geschädigt und fast alle Augen erblinden im weiteren Verlauf der Krankheit.

Es gibt dabei unterschiedliche Verläufe dieser Augenentzündungen.

Nach mehreren Entzündungsschüben, bei manchen Pferden auch von Anfang an, kann das ganze Auge an der Entzündung beteiligt sein. Durch die Entzündungen kann es zu Verklebungen der Regenbogenhaut mit der Linse kommen.

Durch diese Verklebungen und durch Entzündungsprodukte im Glaskörperraum, die sich auf den hinteren Anteilen der Linsenkapsel auflagern, können Linsentrübungen entstehen.

Die Linse ist nicht durchblutet und wird durch die umgebende Flüssigkeit ernährt. Wenn die Linsenkapsel so stark geschädigt ist, dass die Ernährung nicht mehr gewährleistet wird, entstehen Linsentrübungen (Katarakt, grauer Star).

Im Glaskörperraum entstehen durch die Entzündungen Trübungen und es können dicke, membranartige Einlagerungen gebildet werden, die die Sicht erheblich beeinträchtigen.

Die Netzhaut liegt normalerweise am Augenhintergrund an. Dort werden die Lichtsignale empfangen und über den Sehnerven weitergeleitet an das Gehirn.

Durch die Entzündungen kann die Verbindung von der Netzhaut zum Augenhintergrund gelockert werden und es kann zu Netzhautablösungen kommen.

Wenn flächige Netzhautablösungen entstehen, bedeutet dies meist die irreversible Erblindung der Pferde. Selten kann sich ein erhöhter Augeninnendruck (Glaukom) entwickeln.

Aufgrund des Schmerzzustandes des Auges kommt es zur Pupillenverengung (Miosis) und zum Zukneifen der Augenlider (Blepharospasmus).

Behandlung:

Bei akuten Entzündungsschüben werden Atropin Salben oder Tropfen zur Weitstellung der Pupille, Dexamethason enthaltende Augensalben und zusätzlich ein entzündungs- und schmerzhemmendes Präparat (z.B. Phenylbutazon zweimal tägl.) angewendet.

Trotz intensiver und konsequenter medikamentöser Behandlung treten meistens Rezidive (erneute Entzündungen) auf. Die einzige Möglichkeit, weitere Entzündungen und damit die fortschreitende Zerstörung des Auges zu stoppen, besteht in einer Glaskörperoperation (Vitrektomie).

Dabei wird der Glaskörper klein geschnitten und abgesaugt. Gleichzeitig werden die Entzündungsprodukte und Trübungen aus dem Glaskörper entfernt, wodurch die Sehfähigkeit in vielen Fällen nach der Operation verbessert ist.

Durch die mit der Spülung verbundene Entfernung der Bakterien ist die Augenentzündung nach der Operation mit einer über 95 %-igen Wahrscheinlichkeit endgültig beseitigt.