Pferdeklinik am Kirchberg GmbH


Atmungsorgane

Erkrankungen der Atemwege

Erkrankungen der Atemwege sind neben der Kolik die häufigste internistische Krankheitsursache beim Pferd.

Dabei unterscheidet man Erkrankungen der oberen und unteren Atemwege.

Zu den oberen Atemwegen zählen die Nase, die Nasenhöhlen, die Nasennebenhöhlen, der Kehlkopf, der Pharynx und die Luftsäcke.

In diesen Bereichen treten sowohl nicht-infektiöse, als auch infektiöse Erkrankungen auf.

nicht-infektiös

Gaumensegelverlagerung (DDSP = Doral displacement of soft palatinum)

Bei der Gaumensegelverlagerung kommt es zu einer Behinderung der Atemwege. Das Gaumensegel legt sich über die Epiglottis und führt so zu einer exspiratorischen Dyspnoe.

Diese Verlagerung kann dauerhaft oder nur temporär (z.B. unter Belastung oder im Zuge eines Katarrhs) auftreten.

Liegt die Gaumensegelverlagerung dauerhaft vor bzw. ist sie rezidivierend sollte eine chirurgische Korrektur vorgenommen werden. (Tie forward) [link zur OP]

Kehlkopfpfeifen (Lähmung des N. recurrens)

Hierbei handelt es sich um eine (meist einseitige) Lähmung des N. recurrens sinister. Dabei kommt es zum Einkippen des linken Aryknorpels in den Kehlgangsbereich. Dieses Einkippen führt zu dem charakteristischen Pfeifen im Zuge der Inspiration unter Belastung des Pferdes.

In der Endoskopie lässt sich die sichere Diagnose aufgrund der vorliegenden Asymmetrie des Kehlkopfs stellen.

Chirurgische Therapie (weitere Informationen) [link zur OP]

infektiös

Zu den unteren Atemwegen zählen die Luftröhre und die Lunge.

Auch hier finden sich sowohl infektiöse als auch nicht-infektiöse Ursachen für Erkrankungen.

Die Erreger für infektiöse Krankheiten entsprechen denen der oberen Atemwege. Dabei können diese akute Bronchitiden oder Pneumonien auslösen.

Nicht-infektiöse Erkrankungen sind entweder auf allergische Reaktionen oder auf Entzündungen (ohne infektiöse Ursache) zurückzuführen. Gründe dafür sind Umweltnoxen wie Staub (aus Heu und Stroh), Pilzsporen, Pollen, Milben oder Schadgase.

Allergischen Reaktionen können folglich zu einer chronischen Erkrankung der Atemwege führen.

Chronische Erkrankungen der Lunge

Bezeichnungen wie COPD stammen aus der Humanmedizin und sind heutzutage veraltet.

Beim Pferd spricht man bei chronischen Erkrankungen von der RAO = Recurrent Airwaiy Obstruction.

Klinische Symptome sind chronischer Husten, Dyspnoe und Leistungseinbruch. Bei der endoskopischen Untersuchung findet man ein verdicktes Septum (Aufzweigung der Hauptbronchien) und häufig eine vermehrte Schleimbildung. Letzlich resultiert diese Erkrankung in der Dämpfigkeit, die eine nicht wieder heilbare Schädigung der Lunge bedeutet.

Entzündliche Erkrankungen ohne infektiöse Ursache bezeichnet man als IAD = Inflammatory Airway Disease. Sie ist meist die Vorstufe der RAO und tritt als „Erst-Reaktion“ auf schädliche Umwelteinflüsse auf.

Neben einer direkt einwirkenden Reizung durch Allergene, Toxine oder Schadgase können auch genetische Faktoren oder nicht ausreichend ausgeheilte Lungenerkrankungen (die primär durch eine Infektion verursacht war) zu einer chronischen Erkrankung der Lunge führen.

Diagnostik:

Therapeutisch sind Haltungsbedingungen und ein gutes Futtermanagment wichtige Komponenten. Pferde mit einer RAO sollten so gut wie möglich in einer staubfreien bzw. möglichst staubarmen Umgebung gehalten werden. Die Fütterung von nassem Heu halten wir als zwingend notwendig.

Medikamentell muss meist an mehreren Punkten angesetzt werden.

Das Erste ist die Entzündung der Atemwege, dazu kommen die Obstruktion (Verkrampfung bzw. das Zusammenziehen der Bronchien) und eine vermehrte Schleimbildung.

Häufig eingesetzte Medikamente sind:

Auch eine gezielte und sinnvoll eingesetzte Kortisontherapie kann bei der RAO notwendig sein. Aufgrund der Entzündungsmechamismen, hervorgerufen vom Immunsystem, schaffen Kortisone oft Abhilfe im akuten Stadium.

Aerosol oder systemische Therapie?

Beide Wege haben ihre Vor- und Nachteile. Eine Aerosoltheraphie (Inhalation oder Dossiersprays aus der Humanmedizin) führt zu weniger Nebenwirkungen. Damit in der Lunge aber ein notwendiger, therapeutischer Wirkstoffspiegel erreicht werden kann, ist es wichtig, dass die Lunge „offen“ ist. Mit dem systemischen Einsatz von Kortisonpräparaten (intramuskulär oder intravenös) erreicht man einen höheren Wirkstoffspiegel in der Lunge – auch in tieferen Bereichen wo ein Aerosol nicht ausreichend wirken kann. Die Gefahr der Nebenwirkungen wie z.B. der Hufehe ist jedoch größer.

Leider sind die Kosten für einen vernünftigen Ultraschallvernebler (der die richtige Partikelgröße produziert) oder auch eine Therapie mit Pump-Dossierern aus der Humanmedizin relativ hoch. Dazu kommt, dass die meisten Präparate für das Pferd nicht zugelassen sind und man daher gezwungen, ist bei jedem Patienten individuell nachzuweisen, warum diese Therapie notwendig ist. Wir müssen uns als Tierärzte dabei an die sogenannte „Umwidmungskaskade“ halten was oftmals eine vernünftige Behandlung des Patienten erschwert oder sogar verhindert.

Lungenspülung

Bei Pferden, die sehr stark verschleimt sind, kann eine Lungenspülung hilfreich sein.

Dabei werden dem Pferd an drei aufeinanderfolgenden Tagen sehr große Mengen an Flüssigkeit infundiert. Diese Hyperinfusion führt dazu, dass Wasser in die Lunge austritt und somit der Schleimabgang gefördert wird.